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Die besondere Stellung der Frau
im Islam
von HARUN YAHYA
Es gibt eine Denkhaltung unter Männern, die
Frauen verachtet, sie aus der sozialen Gemeinschaft ausschließen
will, sie als Menschen zweiter Klasse betrachtet. Diese Haltung
stammt nicht etwa aus dem Islam, sondern beruht auf einem bösen,
heidnischen Frauenbild. Der Quran hingegen definiert unmissverständlich
die sozialen Beziehungen zwischen den Geschlechtern.
Die Stellung der Frau im Islam war kürzlich Gegenstand öffentlicher
Diskussion. Eine Reihe von Missverständnissen tauchte auf, teils
basierend auf alt hergebrachten Bräuchen, die für "islamisch"
gehalten werden, es aber keineswegs sind, teils basierend auf Vorurteilen.
Dies führt zu der naheliegenden Frage, wie denn die Rolle der Frau
im islamischen Glauben tatsächlich definiert ist. Bei genauerer
Betrachtung des Themas sehen wir, dass der Islam den Frauen eine
hohe soziale Stellung gewährt und ihnen jede Freiheit und große
Wertschätzung einräumt.
Gottes Gebote über den Status von Frauen und über die Beziehungen
zwischen Männern und Frauen, offenbart im Quran, sind getragen von
der Idee universaler Gerechtigkeit. Unter diesem Aspekt verlangt
der Islam die Gleichheit der Geschlechter, sowohl was ihre Rechte,
als auch was ihre Verantwortlichkeit und Pflichten angeht. Der Islam
basiert auf der Liebe, der Toleranz und dem Respekt gegenüber allen
Menschen, ein Konzept, in dem die Diskriminierung der Frau keinen
Platz findet.
Die Beispiele für moralisches Verhalten, die der Quran uns zeigt,
liegen vollständig innerhalb der Möglichkeiten eines jeden Menschen
und gelten für vergangene und kommende Zeitalter der Geschichte.
Respekt gegenüber Frauen und den Rechten der Frauen gehören ohne
jeden Zweifel in diese Kategorie moralischen Verhaltens. Allah macht
im Quran klar, dass Aufgaben und Verantwortung der Frauen dieselben
sind, wie die der Männer, und dass Männer und Frauen sich bei der
Wahrnehmung ihrer Aufgaben und Verantwortung einander bestmöglich
unterstützen sollen:
"Und die Gläubigen, Männer und Frauen, sind einer
des anderen Freund. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte
und verrichten das Gebet und zahlen die Steuer und gehorchen Allah
und Seinem Gesandten. Sie - wahrlich, Allah erbarmt sich ihrer.
Siehe, Allah ist mächtig und weise." (Quran, 9:71)
Allah betont, dass die Gläubigen entsprechend ihrer Taten behandelt
werden, ohne Rücksicht auf ihr Geschlecht. Auf diese Realität wird
in vielen Quran-Versen hingewiesen:
Und ihr Herr antwortet ihnen: "Siehe, Ich lasse
keine Tat von euch verloren gehen, sei es von einem Mann oder einer
Frau. Die einen von euch stammen ja von den anderen..." (Quran,
3:195)
"Wer das Rechte tut, und gläubig ist, sei es
Mann oder Frau, dem werden Wir ein gutes Leben geben. Und Wir werden
ihn nach seinen besten Werken belohnen." (Quran, 16:97)
In einer weiteren Sure werden muslimische Männer und Frauen gleichgestellt
und es wird betont, dass beide die gleiche Verantwortung tragen
und in Gottes Augen denselben Status genießen:
"Wahrlich, die muslimischen Männer und die muslimischen
Frauen,
die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen,
die gehorsamen Männer und die gehorsamen Frauen,
die wahrhaftigen Männer und die wahrhaftigen Frauen,
die standhaften Männer und die standhaften Frauen,
die demütigen Männer und die demütigen Frauen,
die Almosen spendenden Männer und die Almosen spendenden Frauen,
die fastenden Männer und die fastenden Frauen,
die ihre Keuschheit wahrenden Männer und die ihre Keuschheit wahrenden
Frauen,
die Allahs häufig gedenkenden Männer und gedenkenden Frauen
- Allah hat für sie Vergebung und großen Lohn vorgesehen.
(Quran, 33:35)
Es gibt zahlreiche weitere Suren im Quran, die die Gleichheit von
Männern und Frauen belegen, sowohl was ihre Aufgabe und Verantwortung
angeht, als auch was ihre entsprechende Belohnung oder Bestrafung
betrifft. Es gibt einige wenige Ungleichheiten in der Stellung von
Mann und Frau, diese dienen jedoch der sozialen Sicherheit und dem
Schutz der Frauen. Die Gebote des Quran berücksichtigen die natürlichen,
durch die Schöpfung bedingten Unterschiede zwischen Mann und Frau,
und etablieren ein in diesem Zusammenhang zu sehendes gleiches Recht
für Männer und Frauen.
Der Islam sieht Frauen nicht als Objekte an. Deswegen wird es als
unangemessen betrachtet, wenn eine Frau mit gutem Charakter einen
Mann heiratet mit verdorbenem Charakter. Genauso wenig ist es einer
Frau mit verdorbenem Charakter erlaubt, einen Mann zu heiraten mit
gutem Charakter.
"Schlechte Frauen sind für schlechte Männer,
und schlechte Männer sind für schlechte Frauen! Und gute Frauen
sind für gute Männer, und gute Männer sind für gute Frauen! Diese
sind frei von dem, was sie ihnen nachsagen. Vergebung und eine ehrenhafte
Versorgung (für sie)!" (Quran, 24:26)
Auch in der Ehe wird Gleichheit von Pflicht und Verantwortung der
Ehepartner verlangt. Allah will, dass sich die Ehepartner beschützen
und beaufsichtigen. Diese Pflicht drückt der Quran wie folgt aus:
"...Sie sind euch ein Kleid, und ihr seid ihnen
ein Kleid..." (Quran, 2:187)
Viele Regeln und Gebote des Qurans befassen sich mit
dem Schutz der Rechte der Frauen in der Ehe. Die Ehe basiert auf
dem freien Willen beider Partner; der Ehemann hat für den Lebensunterhalt
seiner Frau zu sorgen (4:4), und er muss sich auch nach einer Scheidung
der Ehe um seine Ex-Frau kümmern (65:6).
Diese Suren des Qurans zeigen deutlich, dass der Islam die Beziehungen
zwischen Männern und Frauen auf eine Rechtsgrundlage stellt und
den ungerechten Praktiken und Bräuchen aus vorislamischen Gesellschaften
ein Ende bereitet. Ein Beispiel hierzu ist die Situation von Frauen
in vorislamischen arabischen Gesellschaften. Die heidnischen Araber
sahen Frauen als minderwertig an und eine Tochter zu bekommen, war
ein Umstand, dessen man sich schämen musste. Es gab Väter, die ihre
neugeborenen Töchter lebendig begruben, damit sie nicht die Geburt
eines Mädchens zugeben mussten. Allah hat diese barbarische Tradition
im Quran verboten und warnt, das solche Taten am Tag des jüngstens
Gerichts auf das strengste geahndet werden.
Tatsächlich brachte der Islam den Frauen, die in vormals heidnischen
Gesellschaften großer Unterdrückung ausgesetzt waren, einen hohen
Grad an Emanzipation.
Professor Bernard Lewis, bekannt als einer der besten westlichen
Experten für Islamgeschichte und für Geschichte des Nahen Ostens
gibt hierzu den folgenden Kommentar:
"Generell gesehen brachte die Ausbreitung
des Islam eine enorme Verbesserung der Position der Frau im alten
Arabien, die ihnen neben anderen Rechten das Recht auf den Besitz
von Eigentum gab; außerdem erhielten sie eine Reihe von Rechtsmitteln
zu ihrem Schutz gegen Misshandlungen durch ihre Ehemänner oder Eigentümer.
Die Tötung weiblicher Neugeborener, gewohnheitsmäßig toleriert im
heidnischen Arabien, wurde durch den Islam verboten. Trotzdem ließ
die Rechtsstellung der Frauen weiterhin viel zu wünschen übrig,
und sie verschlechterte sich weiter, als die ursprüngliche Botschaft
des Islam nicht nur in dieser Hinsicht ihre treibende Kraft verlor
und unter dem Einfluss vormals ausgeübter Traditionen und Bräuche
modifiziert wurde. (Bernard Lewis, Der Mittlere Osten, Weidenfeld
und Nicolson, London, 1995, S.210)
Wir dürfen daher mit Fug und Recht behaupten, dass jene verachtende
Mentalität, die Frauen aus der sozialen Gemeinschaft ausschließen
will und sie als Menschen zweiter Klasse betrachtet, auf einem üblen,
heidnischen Frauenbild beruht, dass im Islam keinen Platz hat.
Tatsächlich werden religiöse Frauen im Quran als Vorbilder für
die Menschheit dargestellt. Eine dieser Frauen ist Maria, die Mutter
Jesus Christus'. Eine andere ist jene Ehefrau eines ägyptischen
Pharaos, die trotz des bösen Charakters ihres Ehemannes als eine
gute Muslimin beschrieben wird (Quran, 66:11-12). Weiterhin beschreibt
der Quran die sehr freundlichen Gespräche zwischen dem Propheten
Salomon und der Königin von Saba (Quran, 27:42-47) sowie zwischen
Prophet Moses und zwei jungen Frauen. All diese Gespräche symbolisieren
die zivilisierten sozialen Beziehungen zwischen den Geschlechtern.
Deshalb ist es für einen Muslim nicht möglich, eine bigotte Haltung
gegenüber Frauen einzunehmen. In einer Gesellschaft in der der wahre
Islam praktiziert wird, wird den Frauen ein hohes Maß an Höflichkeit
und Respekt entgegengebracht werden, und man wird sicherstellen,
dass Frauen in Freiheit und Sicherheit leben können.
Die Interpretation des Qurans erfordert die Einhaltung einer fundamentalen
Regel: Der Sinn einer beliebigen Textstelle erschließt sich nur
dann, wenn sie im gesamten Zusammenhang des Qurans verstanden wird.
Setzt man dieses Verständnis voraus, dann wird deutlich, dass die
Regeln Allahs, die sich mit Frauen befassen, eine Sozialstruktur
bilden, die es den Frauen ermöglicht, auf das Angenehmste und Glücklichste
zu leben. In einer Gesellschaft, in der die moralischen Werte, die
der Islam kennt, verständnisvoll praktiziert werden, wird die soziale
Stellung der Frau herausragender sein, als in Gesellschaften, die
wir heute als "modern" ansehen.
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