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Der Islam hat im Verlauf seiner
ganzen Geschichte
dem Mittleren Osten Frieden und Harmonie gebracht
von HARUN YAHYA
Palästina und insbesondere sein Herz, Jerusalem, ist für Muslime
seit dem Beginn der Geschichte des Islams heilig gewesen. Da die
Muslime Palästina als heilig ansehen, haben sie alles unternommen,
um der Region Frieden und Harmonie zu bringen. Wir werden in diesem
Artikel auf einige historische Fälle eingehen.
Es gibt zwei Hauptgründe, warum Jerusalem für Muslime heilig ist:
Es ist die erste Richtung, an die Muslime es gewöhnt waren, sich
bei der Verrichtung ihrer Gebete zu wenden. Von dort, von der Al-Haram
Moschee zur Al-Aqsa Moschee, ist der Prophet Mohammed zum Himmel
aufgestiegen, eines der größten Wunder, die der Prophet vollbracht
hat. Mit anderen Worten der Ritt von Mekka nach Jerusalem. Diese
Tatsache wird im Quran wie folgt berichtet:
Gepriesen sei Der, Der Seinen Diener des Nachts von der unverletzlichen
Moschee (Almasdschidil-haram) zur fernsten Moschee führte, deren
Umgebung Wir gesegnet haben, um ihm einige von Unseren Zeichen zu
zeigen. Gewiss, ER ist Der Allhörende, Der Allsehende. (Sure al-Isra':
1)
In den Geschichten des Quran über die Propheten werden in vielen
Versen, die auf palästinensische Regionen verweisen, diese als 'gesegnete
und heilige Länder' erwähnt. Im obengenannten Vers über den
Aufstieg zum Himmel wird die Al-Aqsa Moschee wie ein Land beschrieben,
'dessen Umgebung Allah gesegnet hat.' In der Sure al-Anbiya,
in der die Migration der Propheten Abraham und Lot nacherzählt wird,
wird die gleiche Gegend als ' ein Land beschrieben, das Allah
gesegnet hat.' Außerdem sind die palästinensischen Länder, in
denen viele Propheten, die aus Israel stammen, gelebt, im Namen
Allahs gekämpft haben und auf dem Feld der Ehre gefallen oder dort
gestorben sind und begraben wurden, auch aus diesen Gründen für
Muslime heilig.
Infolgedessen haben die Muslime in den letzten 1.400 Jahren immer
für Frieden und Ruhe in Jerusalem und Palästina gesorgt.
Der Frieden und die Gerechtigkeit, die vom Kalifen
Omar nach Palästina gebracht wurden
Bis zum Jahre 71 n.Chr. war Jerusalem die Hauptstadt der Juden.
Aber in diesem Jahr hat die römische Armee einen Feldzug gegen die
Juden durchgeführt, und sie aus dem Gebiet in eine öde Gegend verbannt.
Während der Zeit der jüdischen Diaspora, waren Jerusalem und seine
Umgebung ein verlassenes Land.
Jedoch wurde Jerusalem mit der Annahme des Christentums während
der Zeit des römischen Kaisers Constantin noch einmal sehr interessant.
Römische Christen bauten Kirchen in Jerusalem. Das Niederlassungsverbot
für Juden in der Region wurde aufgehoben. Palästina blieb bis zum
7. Jahrhundert ein römisches Gebiet (Byzanz). Die Perser eroberten
das Gebiet für kurze Zeit, aber Byzanz eroberte es später zurück.
Die Eroberung der Region im Jahr 637 durch islamische Armeen stellt
einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte Palästinas dar. Mit
dieser Eroberung traten in Palästina, das jahrhundertelang Schauplatz
von Kriegen, Verbannungen und Massakern war und häufig in den Besitz
unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften geriet, die jedesmal Anlass
zu neuen Grausamkeiten gaben, Frieden und Ruhe ein.
Palästina wurde von Omar, dem zweiten Kalif nach dem Propheten,
eingenommen. Die Einnahme von Jerusalem durch Omar, die bisher nicht
gekannte Toleranz, Reife und Freundlichkeit, die er gegenüber Menschen
verschiedenen Glaubens zeigte, waren der Beginn einer herrlichen
Periode. Die britische Historikerin und Expertin des Mittleren Ostens,
Karen Armstrong, beschreibt die Eroberung von Jerusalem durch Omar
in ihrem Buch Holy War:
Der Kalif Omar betrat Jerusalem auf einem weißen Kamel und wurde
vom Richter der Stadt, dem griechischen Patriarchen Sophronius eskortiert.
Der Kalif bat zuerst darum, unverzüglich zum Tempel Mount gebracht
zu werden. Dort kniete er nieder und betete an der Stelle, an der
sein Freund Mohammed seine Nachtreise gemacht hatte. Der Patriarch
beobachtet dies mit Entsetzen und dachte, dass dies seine letzten
Tage sind. Er vermutete, dass die "letzten Tagen" sich
endlich näherten. Folglich bat Omar, die christlichen Tempel zu
sehen und während er in der Kirche des heiligen Sepulchrums war,
kam die Zeit für das muslimische Gebet. Höflich lud der Patriarch
ihn ein, zu beten, wo er war, aber Omar lehnte liebenswürdig
ab, dort zu beten. Wenn er niederknien würde, um in der Kirche zu
beten, erklärte er, würden die Muslime dort zum Gedenken eine Moschee
errichteten, und das würde bedeuten, dass die Kirche des heilige
Sepulchrums zerstört werden würde. Aus diesem Grund verließ
Omar die Kirche und betete ein wenig entfernt von ihr. An der Stelle,
direkt gegenüber vom heiligen Sepulchre wurde dann auch tatsächlich
eine kleine Moschee errichtet, die dem Kalifen Omar gewidmet ist.
Eine weitere, große Moschee wurde von Omar auf dem Tempel Mount
errichtet, um die muslimische Eroberung zu symbolisieren, zusammen
mit der al-Aqsa Moschee, die an die Nachtreise von Mohammed erinnert.
Die Christen hatten diese Stelle, an der sich der zerfallene Tempel
der Juden befand, jahrelang als Müllhaufen der Stadt benutzt. Der
Kalif half den Muslimen, mit seinen eigenen Händen den Abfall zu
beseitigen. Durch die Errichtung von zwei Gotteshäusern haben die
Muslime den Islam damit in der drittheiligsten Stadt des Islams
angesiedelt. [1]
Kurz gesagt; Muslime brachten 'Zivilisation' nach Jerusalem und
ganz Palästina. Anstelle des barbarischen Glaubens, der keinen Respekt
für den heiligen Wert anderer Menschen zeigt, und der die Menschen
allein wegen ihrer Glaubensunterschiede ermordeten, herrschte dort
nach der Eroberung durch Omar die gerechte, tolerante und gemäßigte
Kultur des Islam. Nach der Eroberung lebten die Muslime, Christen
und Juden zusammen in Frieden und Harmonie in Palästina. Die Muslime
versuchten nie, die Menschen zum Islam zu zwingen, aber einige Nicht-Muslime,
die sahen, dass der Islam die wahre Religion ist, haben aus eigenem
freien Willen den Islam gewählt.
Frieden und Harmonie in Palästina dauerten solange, wie diese Region
sich unter der Herrschaft der Muslime befand. Jedoch am Ende des
11. Jahrhunderts kamen ausländische Invasoren in die Region und
das zivilisierte Land von Jerusalem wurde in barbarischer und grausamer
Weise geplündert. Diese Barbaren waren die Kreuzfahrer.
Eine historische Ansicht der muslimischen
Toleranz zu den Christen: Muslimische Kuppel des Felsens nahe
bei der christlichen Kirche.
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Die Grausamkeit der Kreuzfahrer

Die Kreuzfahrer plünderten Jerusalem
und ermordeten alle nicht-christlichen Einwohner |
Während die Anhänger der drei Religionen in Frieden und Harmonie
in Palästina lebten, entschieden die Christen in Europa, Kreuzzüge
zu unternehmen. Nach einem Aufruf von Papst Urban II am 25 November
1095 an den Rat von Clermont machten sich mehr als 100.000 Menschen
aus ganzem Europa auf, "das heilige Land von den Muslimen zu
befreien" und um den sagenhaften Reichtum des Ostens zu finden.
Nach einer langen und zermürbenden Reise, vielen Plünderungen und
Gemetzel an Muslimen erreichten sie 1099 Jerusalem. Die Stadt fiel
nach einer Belagerung von fast fünf Wochen, und die Kreuzfahrer
zogen ein. Die von ihnen dabei verübten Grausamkeiten stellten vieles
in den Schatten, was die Welt bisher erlebt hatte. Alle Muslime
und Juden in der Stadt wurden niedergemetzelt. Ein Historiker beschrieb
die Zustände so, "...ermordeten sie alle Arabers und Türken,
die sie fanden..., ohne Rücksicht darauf, ob es ein Mann oder eine
Frau war." [2]
Einer der Kreuzfahrer, Raymond of Aguiles prahlte mit dieser Gewalttätigkeit:
Wundervolle Ansichten waren zu sehen. Einige von unseren Männern
(und diese waren die barmherzigsten) schnitten die Köpfe ihrer Feinde
ab; andere schossen sie mit Pfeilen, damit sie von den Türmen stürzten;
andere quälten sie länger, indem sie sie in Flammen warfen. Ein
Haufen der abgeschnittenen Köpfe, Hände und Füße waren auf den Straßen
der Stadt zu sehen. Deswegen war es sehr schwierig, auf den
Straßen zu gehen. Aber diese waren sehr wenig, wenn sie damit verglichen
wurden, was am Tempel von Solomon geschah... Im Tempel und im Portal
von Solomon ritten Männer in Blut bis zu ihren Knien. [3]
In zwei Tagen ermordete die Armee der Kreuzfahrer ca. 40.000 Muslime
in der oben beschriebenen barbarischen Weise. [4]
Der Frieden und die Harmonie in Palästina, die seit Omar eingekehrt
waren, endete in einem schrecklichen Gemetzel. Die Kreuzfahrer übertraten
alle ethischen Gesetze des Christentums, einer Religion der Liebe
und des Mitleids, und verbreiteten Terror angeblich unter Berufung
auf das Christentum.
Die Gerechtigkeit Saladins
Die barbarische Armee der Kreuzfahrer machte aus Jerusalem ihre
Hauptstadt, und gründete ein lateinisches Königreich, dessen Grenzen
sich von Palästina bis nach Antiochia erstreckten. Jedoch konnten
sich die Kreuzfahrer, die Rechtlosigkeit und Unterdrückung nach
Palästina gebracht hatten, nicht lang halten. Saladin vereinigte
alle muslimischen Königreiche unter seiner Fahne in einem Heiligen
Krieg und besiegte die Kreuzfahrer in der Schlacht von Hattin im
Jahre 1187. Nach der Schlacht wurden die beiden Führer der Armee
der Kreuzfahrer, Reynauld von Chatillon und König Guy, vor Saladin
gebracht. Saladin richtete Reynauld von Chatillon, dessen Grausamkeit
gegen Muslime ihn weithin bekannt gemacht hatte. König Guy dagegen
ließ er gehen, da er nicht die gleichen Verbrechen verübt hatte.
Palästina erlebte noch einmal wahre Gerechtigkeit.
Unmittelbar nach Hattin und am gleichen Tag, an dem der Prophet
Mohammed in einer Nacht von Mekka nach Jerusalem gebracht worden
war, am Tag seines Aufstiegs, betrat Saladin Jerusalem und befreite
es von der Besetzung der Kreuzfahrer, die 88 Jahre angedauert hatte.
Als die Kreuzfahrer 88 Jahre zuvor die Stadt eingenommen hatten,
hatten sie alle Muslime innerhalb der Stadt getötet. Aus diesem
Grund hatten sie Angst davor, dass Saladin ihnen das Gleiche antun
würde. Aber er rührte nicht einen einzigen Christen in der Stadt
an. Er befahl nur den lateinischen (katholischen) Christen, die
Stadt zu verlassen. Den orthodoxen Christen, die nicht Kreuzfahrer
waren, wurde erlaubt, in der Stadt zu leben und ihren Gottesdienst
auszuüben, wie sie es wollten. Die britische Historikerin Karen
Armstrong beschreibt die zweite islamische Eroberung von Jerusalem
mit den folgenden Wörtern:
Am 2 Oktober 1187 betraten Saladin und seine Armee Jerusalem als
Eroberer und für die folgenden 800 Jahre würde Jerusalem eine muslimische
Stadt bleiben... Saladin hielt sein Wort und eroberte die Stadt
unter Einhaltung der höchsten islamischen Prinzipien. Er nahm
nicht Rache für das Massaker von 1099, ganz wie der Quran es befiehlt
(Sure an-Nahl: 127). Kein einziger Christ wurde getötet und es
gab keinen Plünderung. Die Lösegelder wurden bewusst sehr niedrig
angesetzt...
Saladin war durch die Notlage der Familien zu Tränen gerührt, die
auseinandergerissen waren und er ließ viele von ihnen frei, wie
der Quran es nachdrücklich verlangt. Sein Bruder al-Adil war
durch die Notlage der Gefangenen so beunruhigt, dass er Tausende
von ihnen für seinen eigenen Haushalt erbat und sie dann sofort
freiließ...
Als Imad ad-Din den Patriarchen Heraclius sah, wie er die Stadt
mit Pferdefuhrwerken verlies, die mit Schätzen beladen waren, drängte
er Saladin, es konfiszieren zu lassen. Aber Saladin lehnte ab. Der
Quran sagt, dass Eide und Verträge eingehalten werden müssen
und es war wesentlich, dass die Muslime die rechtlichen Abmachungen
einhielten... Heraclius zahlte sein Lösegeld von 10 Dinar wie jeder
andere auch und wurde sogar mit einer speziellen Eskorte versehen,
um seinen Schatz während der Reise zu sichern. [5]
Kurz gesagt, Saladin und die Muslime unter seinem Befehl behandelten
die Christen mit großer Gnade und Gerechtigkeit, und sie zeigten
ihnen gegenüber sogar mehr Mitleid als deren eigene Führer.
Richard Löwenherz war nicht sehr
"adlig" .
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Nach Jerusalem setzten die Kreuzfahrer ihre Barbarei und die Muslime
ihre Gerechtigkeit in anderen Städten in Palästina fort. Im Jahre
1194 hatte Richard the Lionheart (Richard Löwenherz), der als großer
Held in der britischen Geschichte dargestellt wird, 3.000 Muslime,
unter denen viele Frauen und Kinder, im Acre Schloss hinterhältig
ermorden lassen. Obwohl die Muslime Zeugen dieser Grausamkeit waren,
griffen sie nie zu den gleichen Methoden. Sie hielten sich an Allahs
Befehl "O ihr, die ihr glaubt! ... Der Haß gegen Leute verleite
euch nicht zu Verfehlungen...." (Surat al-Ma'ida: 2) und
sie verübten nie Gewalttätigkeiten gegen unschuldige Zivilisten.
Sie wendeten nie unnötige Gewalt an, auch nicht gegen die Armeen
der Kreuzfahrer, die sie besiegten.
Die Wildheit der Kreuzfahrer und die Gerechtigkeit der Muslime
deckte erneut eine historische Wahrheit auf: Nur eine Verwaltung,
die auf die Grundregel des Islams errichtet wurde, ermöglichte es
den Menschen unterschiedlicher Religionen, in Palästina zusammenzuleben.
Diese Tatsache wurde auch noch 700 Jahre nach Saladin, besonders
während der osmanischen Periode, demonstriert.
Gerechtige und tolerante Herrschaft des Osmanischen
Reiches
Im Jahre 1514 eroberte Sultan Selim Jerusalem und seine Umgebung.
Damit begann die fast 400 jährige Osmanische Herrschaft in Palästina.
Wie in anderen osmanischen Ländern auch sollte diese Periode Palästina
Frieden und Stabilität bringen und das Zusammenleben der verschiedenen
Religionen sichern.

Die Toleranz des Islams setzte sich
im Osmanischen Reich fort. Kirche, Synagoge und Moschee koexistierten
friedlich miteinander. |
Das Osmanische Reich wurde durch eine Ordnung bekannt, das "Nations(Millet)-System"
genannt wurde, ein System der Selbstverwaltung ethnischer und
religiöser Gruppen. Die grundlegendste Eigenschaft dieses Systems
war, dass Menschen unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit erlaubt
wurde, ihrem eigenen Glauben gemäß und sogar ihrer Rechtsordnung
entsprechend zu leben. Christen und Juden, die im Quran als die
'Menschen der Schrift' beschrieben werden, fanden Toleranz,
Sicherheit und Freiheit im Osmanischen Reich.
Der wichtigste Grund dafür war, dass das Osmanische Reich, obwohl
es ein islamischer Staat war, der von den Muslimen verwaltet wurde,
kein Interesse daran hatte, seine Bürger zum Übertritt zum Islam
zu zwingen. Im Gegenteil, der Osmanische Staat strebte an, Nicht-Muslimen
Frieden und Sicherheit zu gewähren und sie so zu verwalten, dass
sie mit der islamischen Regierung und Gerechtigkeit einverstanden
sind.
Andere große Staate hatten zur gleichen Zeit eine viel gröbere,
unterdrückendere und intolerantere Vorstellung von Regierung. Das
Königreich von Spanien konnte die Anwesenheit der Muslime und Juden
auf der spanischen Halbinsel nicht tolerieren und verübte Gewalttaten
gegen beide Gemeinschaften. In vielen anderen europäischen Ländern
wurden Juden allein wegen ihrer Religionszugehörigkeit unterdrückt
(zum Beispiel wurden sie in Gettos eingesperrt) und wurden bisweilen
Opfer von Massakern (Pogromen). Selbst untereinander fanden die
Christen keinen Frieden; die Konflikte zwischen Protestanten und
Katholiken im 16. und 17. Jahrhundert verwandelten Europa in ein
blutiges Schlachtfeld. Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648
war ein Resultat dieses Konfliktes zwischen Katholiken und Protestanten.
Als Folge dieses Kriegs wurde Mitteleuropa in ein Schlachtfeld verwandelt
und allein in Deutschland kam ein Drittel der Bevölkerung, 15 Millionen
Menschen, um.
Angesichts solcher Zustände ist es eine unbestreitbare Wahrheit,
dass die Osmanische Herrschaft außerordentlich menschlich war.
Viele Historiker und Politikwissenschaftler haben die Aufmerksamkeit
auf diese Tatsache gelenkt. Einer von ihnen ist Prof. Dr. Edward
Said, ein international bekannter Experte für die Geschichte des
den Mittleren Osten an der Columbia Universität. Edward Said, der
von einer christlichen Familie Jerusalems abstammt und an amerikanischen
Universitäten seine Forschungen fortsetzt, empfahl in einem Interview
in der israelischen Zeitung Ha'aretz das "Nations-System
(Millet-System) des Osmanischen Reiches", um im Mittleren
Osten permanenten Frieden zu stiften. Er sagte:
"So wie andere Minoritäten in der arabischen Welt leben können,
kann auch eine jüdische Minorität (unter Arabern) leben... Es funktionierte
sehr gut im Osmanischen Reich mit seinem Nationssystem. Dieses System
scheint menschlicher zu sein, als das, was wir jetzt haben. [6]
Die Moral des Koran: Die Quelle der islamischen Toleranz
Der wesentliche Grund für die Errichtung der außerordentlich toleranten,
gerechten und menschlichen Herrschaft im Osmanischen Reich und in
anderen muslimischen Staaten besteht darin, dass im Quran eine derartige
Herrschaftsform gefordert wird. Der Grund für Gerechtigkeit, Barmherzigkeit,
Toleranz und zivilisiertes Verhalten, die Omar, Saladin, Sultane
des Osmanischen Reiches und viele andere muslimische Herrscher an
den Tag legten (eine Tatsache, die heute auch im Westen akzeptiert
wird), war ihre Treue gegenüber Allahs Geboten, die Er im Quran
offenbart hat. Im Folgenden sind einige der Gebote aufgeführt, die
die Grundlage der islamischen Ansicht von Regierung bilden:
Siehe, Allah gebietet euch, die euch anvertrauten Güter ihren
Eigentümern zurückzugeben, und wenn ihr unter den Leuten richtet,
nach Gerechtigkeit zu richten. Siehe, Allah - wie trefflich ist
das, wozu Er euch mahnt! Siehe, Allah hört und sieht. (Sura an-Nisa:
58)
O ihr, die ihr glaubt! Tretet für die Gerechtigkeit ein, wenn
ihr vor Gott Zeugnis ablegt, und sei es gegen euch selber oder euere
Eltern und Verwandten. Handele es sich um arm oder reich, Allah
steht euch näher als beide. Und überlasst euch nicht der Leidenschaft,
damit ihr nicht vom Recht abweicht. Wenn ihr (das Recht) verdreht
oder euch (von ihm) abkehrt, siehe, Allah weiß, was ihr tut. (Sura
an-Nisa: 135)
Allah verbietet euch nicht, gegen die gütig und gerecht zu sein,
die euch nicht wegen eueres Glaubens bekämpft oder euch aus eueren
Häusern vertrieben haben. Allah liebt fürwahr die gerecht Handelnden.
(Sura al-Mumtahina: 8)
Von der Politik heißt es 'Macht korrumpiert und absolute Macht
korrumpiert absolut.' Dies bedeutet, dass jeder, der politische
Macht erreicht, infolge der Möglichkeiten, die diese Macht ihm bietet,
moralisch korrumpiert wird. Diese Regel trifft tatsächlich für die
meisten Menschen zu. Denn diese Majorität bestimmt ihre Moral entsprechend
den gesellschaftlichen Sanktionen. Mit anderen Worten; sie vermeiden
Unmoral und Straftaten, nur weil sie sich vor der Missbilligung
und Bestrafung der Gesellschaft fürchten. Die Macht gibt ihnen Stärke
und verringert den sozialen Druck. Infolgedessen werden sie ganz
leicht verdorben und degeneriert. Wenn sie absolute Macht besitzen,
d.h. wenn sie eine Nation beherrschen, können sie alles tun, um
ihren Hochmut zu befriedigen.
Das einzige Modell des Menschen, in dem das 'Gesetz der Korruption'
nicht gilt, ist der aufrichtige Glaube an Allah. Die Annahme der
Religion aus Furcht und Liebe vor Ihm und ein Leben entsprechend
dieser Religion. Da ihre Moral nicht von der Gesellschaft abhängig
ist, beeinflusst sie selbst die absoluteste Herrschaft nicht. Im
Quran gab Allah den Propheten David als Beispiel eines idealen Herrschers,
während er diejenigen beherrschte, die seine Berechtigung in Frage
stellten, betete er in völliger Unterwerfung zu Allah. (Sure Sad:
24)
Die Tatsache, dass es in der Geschichte des Islams eine große Anzahl
von gerechten, barmherzigen, demütigen und reifen Herrscher gibt,
ist dieser Moral geschuldet, die Allah den Muslimen im Quran nahebringt.
Solange ein muslimischer Herrscher Allah fürchtet, gibt es ausgeschlossen,
das er verdorben, stolz oder grausam werden könnte. (Selbstverständlich
gibt es in der Geschichte des Islams Herrscher, die verdorben waren
und von der islamischen Moral abwichen, aber ihre Anzahl und ihr
Einfluss waren sehr gering).
Zusammenfassung
Die Geschichte zeigt, dass der Islam das einzige Glaubenssystem
ist, das eine gerechte, tolerante und mitleidsvolle Regierung im
Mittleren Osten bietet. Der osmanische Frieden, der mit dem Rückzug
des Osmanischen Reiches aus der Region zu Ende ging, ist noch nicht
ersetzt worden. Nach dem Osmanischen Reich ging der Mittlere Osten
zuerst in die Hände der europäischen Kolonialisten über und wurde
dann das Ziel von Israels aggressiver Politik.
Es gibt einen wesentlichen Grund für den aktuellen Konflikt im Mittleren
Osten: Die Tatsache, dass die beteiligten Seiten keinen Frieden
stiften wollen. Israel sollte sich an die UN Resolution 242 halten,
sich auf die Grenzen von vor 1967 zurückzuziehen und die Rechte
der Palästinenser anerkennen. Die Palästinenser (und andere Araber)
sollten Ziele wie "Israel in das Meer zu werfen" aufgeben
und das Zusammenleben mit den Juden akzeptieren. Und sie sollten
unter keinen Umständen ihren gerechten Kampf durch barbarische
Terrorakte gegen Zivilisten besudeln.
Kurz gesagt; damit im Mittleren Osten Frieden erkehrt, müssen beide
Seiten damit einverstanden sein, gemäßigt und tolerant zu sein,
und sich ernsthaft darum bemühen, sich vom jüdischen Rassismus (Zionismus)
oder vom arabischen Chauvinismus zu befreien. Der dafür erforderliche
Einblick ist in den Tugenden zu finden, die die islamische Moral
dem Mittleren Osten in den letzten Jahrhunderten vorgeführt hat.
Anmerkungen
1- Karen Armstrong, Holy
War, MacMillan, London, 1988, S. 30-31
2- Geste Francorum, or the Deeds of the Franks
and the Other Pilgrims to Jerusalem, trans. Rosalind Hill, London,
1962, S. 91
3- August C. Krey, The First Crusade: The Accounts
of Eye-Witnesses and Participants, Pinceton & London, 1921, S.
261
4- August C. Krey, The First Crusade: The Accounts
of Eye-Witnesses and Participants, Pinceton & London, 1921, S.
262
5- Karen Armstrong, Holy War, S. 185
6- 18.8.2000, Ha'aretz Zeitung; MiddleEast.Org,
August 2000 |