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Der Pazifismus im Islam von HARUN YAHYA
Gemäß dem Quran sollte nur dann ein Krieg begonnen werden, wenn es unvermeidlich ist, und es müssen dabei bestimmte menschliche und moralische Werte unbedingt eingehalten werden. Denn der Krieg ist eine "unerwünschte Notwendigkeit". In einem Vers heißt es, dass diejenigen, die Kriege verursachen, Ungläubige
sind und dass Allah Kriege nicht billigt: Eine genauere Untersuchung des Lebens des Propheten Muhammad zeigt, dass der Krieg eine Methode ist, die nur in unvermeidbaren Situationen zu defensiven Zwecken anzuwenden ist. Die Offenbarung des Quran durch den Propheten Muhammad dauerte 23 Jahre. Während der ersten 13 Jahre dieser Phase lebten die Muslime als Minorität unter heidnischer Herrschaft in Mekka und sahen sich viel Unterdrückung gegenüber. Viele Muslime wurden belästigt, misshandelt, gequält, und sogar ermordet, ihre Häuser und ihr Besitz wurden geplündert. Trotzdem führten die Muslime eine Leben in Frieden und ohne Zuflucht zu irgendeiner Gewalttätigkeit zu nehmen und riefen die Heiden immer zum Frieden auf. Als die Unterdrückung durch die Heiden unerträglich eskalierte, wanderten
die Muslime zur Stadt des Yathrib aus, die später in Medina umbenannt
wurde, wo sie ihre eigene Ordnung in einer freundlicheren und freieren
Umgebung schaffen konnten. Ihr eigenes politisches System forderte sie
nicht dazu auf, die Waffen gegen die aggressiven Heiden von Mekka zu erheben.
Erst nach der folgenden Offenbarung befahl der Prophet seinen Anhängern,
sich auf den Krieg vorzubereiten: Kurz gesagt; den Muslimen wurde erlaubt, Krieg zu führen, nur weil sie
unterdrückt und Gewalttätigkeit ausgesetzt waren. Allah erlaubte den Krieg
nur zu defensiven Zwecken. In anderen Suren werden die Muslime vor unnötigen
Provokationen oder unnötiger Gewalttätigkeit gewarnt: Nach der Offenbarung dieser Suren kam es zu Kriegen zwischen Muslimen und heidnischen Arabern. In keinem dieser Kriege waren jedoch die Muslime die provozierende Seite. Ausserdem schuf der Prophet Muhammad eine sichere und ruhige soziale Umgebung für Muslime und Heiden, indem er einen Friedensvertrag (Hudaybiya) schloss, in dem die meisten Forderungen der Heiden erfüllt wurden. Die Gruppe, die die Bedingungen der Vereinbarung verletzte und einen neuen Krieg begann, waren wieder die Heiden. Die Anzahl der muslimischen Gläubigen erhöhte sich sehr rasch und die islamische Armee wurde so stark, dass die heidnischen Araber ihr nicht widerstehen konnten. Prophet Muhammad zog gegen Mekka und eroberte die Stadt ohne das geringste Blutvergießen. Er hätte Rache an den heidnischen Führern der Stadt nehmen können, wenn er es gewollt hätte. Jedoch tat er keinem etwas zuleide, verzieh ihnen, behandelte sie mit der äußersten Toleranz und gestattete ihnen Glaubensfreiheit. Heiden, die später aus freiem Willen zum Islam übertraten, bewunderten den noblen Charakter des Propheten. Die islamischen Grundregeln, die Allah im Quran verkündet, erklären diese
ruhige und gemäßigte Politik des Propheten Muhammad. Im Quran befiehlt
Allah den Gläubigen, selbst die nicht-Muslime freundlich und gerechtigt
zu behandeln: Die obigen Verse spezifizieren die Ansicht eines Muslims gegenüber nicht-Muslimen:
Ein Muslim sollte alle nicht-Muslime freundlich behandeln und nur vermeiden,
mit denen Freundschaft zu schließen, die Feindschaft gegen den Islam hegen.
Führt diese Feindschaft zu heftigen Angriffe gegen Muslime, das heisst,
falls ein Krieg gegen sie geführt wird, dann sollten Muslime darauf gerecht
reagieren, indem sie menschlichen Maße an die Situation anlegen. Alle
Formen von Barbarismus, nicht notwendige Gewaltaten und ungerechte Angriffe
werden vom Islam verboten. In einem anderen Vers warnt Allah die Muslime
vor diesen Ausschreitungen und erklärt, dass der Zorn auf ihre Feinde
sie nicht veranlassen sollte, ihnen Unrecht anzutun:
Die Bedeutung des Begriffs "Jihad" Ein weiterer Begriff, der auf Grund des Inhalts dieses Artikels einer Erklärung bedarf, ist der Begriff des "Jihad". Die genaue Bedeutung von "Jihad" ist "Anstrengung". Das heisst, im Islam ist "jihad durchzuführen", Bemühung zu zeigen, zu kämpfen. Der Prophet Muhammad erklärte, dass "der größte Jihad derjenige ist, den eine Person gegen seine niedere Seele (Schwächen) führt". Hier sind mit dem Ausdruck "niedrigere Seele" die egoistische Wünsche und Ehrgeiz gemeint. Ein Kampf, der auf intellektuellem Gebiet gegen unreligiöse, atheistische Ansichten geführt wird, ist ebenfalls eine Form von Jihad in seinem umfassenden Sinn. Abgesehen von diesen ideologischen und geistigen Bedeutungen wird der Kampf im körperlichen Sinn auch als "Jihad" bezeichnet. Jedoch, wie oben erklärt wird, muss dies ein Kampf sein, der nur zu defensiven Zwecken durchgeführt wird. Der Gebrauch des Begriffes "Jihad" als Angriffe gegen unschuldige Menschen, der als Terror bekannt ist, wäre eine ungerechte und große Verzerrung der wahren Bedeutung.
Mitleid, Toleranz und Pazifismus im Islam Die islamische politische Lehre ist extrem zurückhaltend und gemäßigt.
Diese Tatsache wird auch von vielen nicht-muslimischen Historikern und
Theologen bestätigt. Eine von ihnen ist die britische Historikerin, Karen
Armstrong, eine ehemalige Nonne und bekannte Expertin der Geschichte des
Mittleren Ostens. In ihrem Buch Holy War (Der heilige Krieg), in dem sie
die Geschichte der drei großen Religionen darstellt, schreibt sie: Nach dem Tode des Prophet Muhammad setzten die Muslime die Tradition fort, die Angehörigen anderer Religionen mit Toleranz und Respekt zu behandeln. Islamische Zustände wurden das sichere und freie Haus der Juden und der Christen. Nach der Eroberung von Jerusalem beruhigte Kalif Omar die Christen, die sich vor einem Massaker fürchteten und erklärte ihnen, dass sie sicher seien. Außerdem besuchte er ihre Kirchen und erklärte, dass sie fortfahren könnten, frei zu beten.
Im Jahre 1099, 4 Jahrhunderte nach der Eroberung von Jerusalem durch Muslime marschierten die Kreuzritter in Jerusalem ein und übergaben alle muslimischen Einwohnern dem Schwert. Ganz entgegen der Furcht der Christen erhob Saladin, der muslimische General, der Jerusalem eroberte und die Stadt 1187 von den Invasoren befreite, nicht die Hand gegen einen einzigen Zivilisten an und erlaubte keinem Soldaten zu plündern. Außerdem erlaubte er den eingedrungenen Christen, ihren ganzen Besitz zu nehmen und die Stadt in Sicherheit zu verlassen. Die Herrschaft der türkischen Seldschuken und des Osmanischen Reiches
waren ebenfalls durch die Toleranz und die Gerechtigkeit des Islams gekennzeichnet.
Bekanntlich fanden Juden, die aus dem katholischen Spanien vertreiben
wurden, Frieden in den Ländern des Osmanischen Reiches, in das sie 1492
flüchteten. Sultan Mehmed, der Eroberer von Istanbul, gab den Juden und
Christen religiöse Freiheit. In Bezug auf die tolerante und gerechte Behandlung
durch die Muslime erklärt der Historiker A. Miquel folgendes: John L. Esposito, Professor für Religion und internationale Politik an
der Georgetown Universität gibt einen ähnlichen Kommentar ab: Wie aus diesen Wörtern klar wird, bezeugt die Geschichte, dass Muslime nie als "Stifter des Unheils" auftraten. Ganz im Gegenteil brachten sie den Menschen aller Nationen und jeden Glaubens Sicherheit und Frieden, in all den Gebieten, über die sie herrschten. (Als weitere Quelle zum Thema empfehlen wir Ihnen das Buch Gerechtigkeit und Toleranz im Quran (Justice and Tolerance in the Koran), von Harun Yahya, 2000) Kurz gesagt; Mitleid, Frieden und Toleranz bilden die Grundlage der Werte des Quran und der Islam zielt darauf ab, das Unheil aus der Welt zu schaffen. Die Gebote des Quran und ihre Befolgung durch die Muslime im Verlauf der Geschichte sind sehr klar. Anmerkungen 1- Karen Armstrong, Holy War, MacMillian London Limited, 1988, p. 25 2- Feridun Emecen, Kemal Beydilli, Mehmet Ýpþirli, Mehmet Akif Aydýn, Ýlber Ortaylý, Abdülkadir Özcan, Bahaeddin Yediyýldýz, Mübahat Kütükoðlu, Osmanlý Devleti Medeniyeti Tarihi, (The History of the Ottoman State), Istanbul: 1994, Ýslam Tarih, Sanat ve Kültür Araþtýrma Merkezi, p. 467 3- John L. Esposito, The Islamic Threat: Myth or Reality, Oxford University Press, New York, 1992, p. 39 |
This article is written by Harun Yahya, a prominent Muslim intellectual
of our times.
All his books and articles are freely available on line at www.harunyahya.com/de/