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'KRIEG' IM QURAN
Entsprechend dem Quran stellt der Krieg eine 'unerwünschte Verpflichtung'
dar, der unter strenger Einhaltung bestimmter humanitärer und moralischer
Maßregeln nachgegangen werden muss, und Krieg darf nur dann geführt
werden, wenn er absolut unvermeidlich ist.
In einem Vers wird erklärt, dass es die Ungläubigen sind, die Kriege
beginnen, u1nd dass Allah Kriege nicht befürwortet:
...So oft sie das Feuer des Kriegs anfachen, löscht
Allah es. Und sie trachten danach auf Erden Verderben zu stiften,
doch Allah liebt die Unheilstifter nicht. (Sure 5:64 - al-Ma'ida)
Im Falle eines Konfliktes müssen die Gläubigen abwarten, bis die
Kampfaktion notwendig wird. Die Gläubigen dürfen nur dann kämpfen,
wenn die andere Seite angreift und sie keine andere Alternative
als den Krieg haben: 'Wenn sie jedoch ablassen,
so ist Allah nachsichtig und barmherzig.' (Sure 2:192 - al-Baqara).
Eine genauere Betrachtung des Lebens des Propheten Muhammad eröffnet,
dass der Krieg ein Mittel war, auf das nur in unvermeidbaren Situationen
zum Zweck der Verteidigung zurückgegriffen wurde.
Der Quran wurde dem Propheten Muhammad über eine Zeitspanne von
23 Jahren offenbart. Während der ersten 13 Jahre dieser Periode
lebten die Muslime als Minderheit unter der heidnischen Gesellschaftsordnung
in Mekka und waren großer Unterdrückung ausgesetzt. Viele Muslime
wurden belästigt, misshandelt, gefoltert, und selbst ermordet und
ihre Häuser und Besitztümer wurden geplündert. Trotz dessen jedoch
führten die Muslime ihr Leben, ohne darauf durch irgendwelche Gewalttätigkeit
zu reagieren und riefen die Heiden stets zum friedlichen Zusammenleben
auf.
Ansicht des heutigen Medina, der Stadt,
wohin der Prophet Muhammad und die Muslime auswanderten, und
wo sie ihre eigene Gesellschafts-ordnung errichteten.
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Als sich die Ausschreitungen der Heiden bis zur Unerträglichkeit
steigerten, wanderten die Muslime nach der Stadt Jasrib aus, die
später auf den Namen Medina umbenannt werden sollte, wo sie ihre
eigene Gesellschaftsordnung in einer freieren und freundlicheren
Umgebung errichten konnten. Selbst als sie ihr eigenes politisches
System errichtet hatten, ließ dies sie nicht dazu hinreißen, Waffen
gegen die aggressive Heiden von Mekka aufzunehmen. Erst nach der
folgenden Offenbarung befahl der Prophet seinen Leuten, sich für
den Krieg zu rüsten:
Den Kämpfern ist die Erlaubnis gegeben - weil ihnen
Unrecht angetan wurde - und Allah hat gewiss die Macht, ihnen zu
helfen; jenen, die rechtlos aus ihren Wohnstätten vertrieben wurden,
nur weil sie bekannten: 'Unser Herr ist Allah!'... (Sure 22:39,
40 - al-Hadsch)
Kurz gesagt, den Muslimen wurde deshalb erlaubt, Krieg zu führen,
weil sie unterdrückt und Gewalttätigkeiten ausgesetzt worden waren.
Allah gab die Erlaubnis für den Krieg zu Verteidigungszwecken. In
anderen Versen werden die Muslime vor unnötiger Provokation oder
Gewaltanwendung gewarnt:
Und kämpft um Allahs Willen gegen die, die euch
bekämpfen, doch begeht keine Ausschreitungen; Allah liebt gewiss
nicht die, die das Maß überschreiten. (Sure 2:190 - al-Baqara)
Nach der Offenbarung dieser Verse ereigneten sich
Kriege zwischen den Muslimen und heidnischen Arabern. Keiner dieser
Kriege jedoch, wurde von den Muslimen eingeleitet. Zudem errichtete
der Prophet Muhammad eine sichere und friedvolle soziale Umgebung
für die Muslime sowie für die Heiden, indem er den Friedenspakt
von Hudaibija schloss, in dem den meisten Forderungen der Heiden
nachgegeben wurde. Wiederum waren es die Heiden, die die Bedingungen
der Vereinbarung verletzten und erneut Aggressionen begingen. Durch
die schnell anwachsenden Übertritte zum Islam musterten die Muslime
eine große Streitmacht gegen die heidnischen Araber an, doch der
Prophet Muhammad eroberte Mekka ohne Blutvergießen und übte äußerste
Nachsicht. Hätte er es gewollt, so hätte er Rache an den heidnischen
Führern der Stadt nehmen können, statt dessen krümmte er keinem
von ihnen ein Haar, verzieh ihnen und behandelte sie mit äußerster
Toleranz. John Esposito, der im Westen als ein Experte auf dem Gebiet
des Islams gilt berichtete die Situation in den folgenden Worten:
'Der Prohet vermied Rache und Plünderung nach seinem Sieg und akzeptierte
ein Abkommen, das seinen früheren Feinden Amnestie gewährte, anstatt
das Schwert gegen sie zu erheben.' 2
Die Kaaba, zu der jedes Jahr fast zwei
Millionen Muslime von den vier Enden der Welt pilgern, ist
ein Symbol des Friedens und der Toleranz, welche in der islamischen
Lehre integriert sind.
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Heiden, die später aus freiem Willen zum Islam übertraten, könnten
nicht umhin, den edlen Charakter des Propheten zu bewundern.
Nicht nur während der Eroberung von Mekka, sondern
auch im Verlauf aller Schlachten und Eroberungen, die sich zu der
Zeit des Propheten Muhammad zutrugen, wurden die Rechte der Unschuldigen
und Wehrlosen sorgfältig gewahrt. Der Prophet erinnerte die Gläubigen
oft an diese Verpflichtung und wurde durch sein eigenes Verhalten
ein Vorbild dem viele folgten. In der Tat, er richtete die folgenden
Worte an die Gläubigen, die an die Front gingen: 'Haltet euch an
die Religion Allahs, wenn ihr in den Krieg zieht. Tastet niemals
die Senioren, Frauen und Kinder an. Erleichtert ihnen stets ihre
Lage und seid freundlich zu ihnen. Allah liebt die, die aufrichtig
sind.' 3 Der Gesandte Allahs legte auch eindeutig
die Verhaltensregeln fest, denen die Muslime folgen müssen, selbst
wenn sie mitten im Gefecht sind:
Tötet keine Kinder. Vermeidet es, Menschen anzutasten,
die sich dem Gottesdienst in Andachtsstätten widmen! Tötet niemals
Frauen und Senioren. Steckt weder Bäume in Brand noch fällt sie.
Zerstört niemals Behausungen! 4
Die islamischen Grundsätze, die Allah im Quran niederlegte, erklären
diese friedfertige und gemäßigte Politik des Propheten Muhammad.
Allah befiehlt den Gläubigen im Quran, Nicht-Muslime freundlich
und gerecht zu behandeln:
Allah verwehrt euch nicht, denen, die euch weder
um eueres Glaubens willen bekämpft, noch euch aus eueren Häusern
vertrieben haben, Güte und Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen.
Gewiss liebt Allah die Gerechten. Allah verbietet euch jedoch, jene
zu befreunden, die euch um des Glaubens willen bekämpft und euch
aus eueren Wohnstätten vertrieben und euere Austreibung unterstützt
haben... (Sure 60:8, 9 - al-Mumtahina)
Die obigen Verse umreißen das Verhalten, das Muslime Nicht-Muslimen
gegenüber annehmen sollten: Ein Muslim sollte alle Nicht-Muslime
freundlich behandeln, doch vermeiden, Freundschaft mit denen zu
schließen, die dem Islam feindselig gegenüberstehen. Wenn sich diese
Feindseligkeit zu gewaltsamen Aggressionen gegen die Muslime ausweitet,
d.h., wenn die Muslime bekriegt werden, sollten sie auf gerechte
Weise reagieren, indem sie die humanitären Dimensionen der Situation
in Betracht ziehen. Alle Formen der Barbarei, unnötige Gewalttaten
und ungerechte Aggression sind verboten im Islam. In einem anderen
Vers warnt Allah die Muslime davor und ermahnt sie, sich von ihrem
Zorn gegen die Feinde nicht zu ungerechtem Handeln hinreißen zu
lassen:
O ihr, die ihr glaubt, seid standhaft für Allah
als Zeugen in Gerechtigkeit, und lasst eure Abneigung gegen gewisse
Leute euch nicht dazu hinreißen Ungerechtigkeit zu begehen. Seid
gerecht - es entspricht mehr der Furcht Gottes. Seid euch Allahs
Gegenwart bewusst. Allah ist es sicherlich bekannt, was ihr tut.
(Sure 5:8 - al-Ma'ida)
Die Bedeutung des Begriffs 'Dschihad'
Ein weiteres Konzept, das im Zusammenhang mit dem zur Diskussion
stehendem Thema einer Erklärung bedarf, ist 'Dschihad'.
Die wörtliche Bedeutung des Begriffs 'Dschihad' ist 'Kampf'. Das
Stammwort (dschahada) von dem er abgeleitet ist, bedeutet 'sich
bemühen, sich anstrengen. Daher bedeutet 'Dschihad zu unternehmen'
im Islam, 'Anstrengungen zu machen; zu kämpfen'. Prophet Muhammad
erklärte, dass 'der größte 'Dschihad' der Kampf des Menschen gegen
sein eigenes niederes Selbst ist'. Was hier mit 'niederem Selbst'
gemeint ist, sind selbstsüchtige Begierden und Ambitionen.
Von einem quranischen Gesichtspunkt kann das Wort 'Dschihad' auch
einen, auf intellektueller Ebene geführten Kampf bedeuten, der sich
gegen diejenigen richtet, die Menschen unterdrücken, ungerecht behandeln,
sie Folter und Grausamkeiten aussetzen und ihnen ihre Menschenrechte
verweigern. Der Zweck dieses Kampfs ist Gerechtigkeit, Frieden und
Gleichheit herbeizuführen,
Abgesehen von diesen ideologischen und geistigen Bedeutungen wird
auch Kampf im Sinn einer militärischen Expedition als 'Dschihad'
bezeichnet. Jedoch, wie oben bereits erklärt wurde, darf es sich
dabei nur um einen Kampf zu den Verteidigungszwecken handeln. Das
Konzept des 'Dschihad' auf Handlungen der Aggression gegen unschuldige
Leute, d.h. Terror, anzuwenden, ist völlig ungerechtfertigt und
eine gewaltige Verzerrung der wahren Bedeutung des Ausdrucks.
Selbstmord ist verboten im Islam
 
Eines der Hauptziele der terroristischen
Bombenanschläge, Brandstiftungen und anderer solcher abscheulichen
Handlungen ist, Furcht, Besorgnis, Unsicherheit und Panik unter
den Menschen zu verursachen. |
Ein weiterer Punkt von Bedeutung, der unmittelbar nach den jüngsten
Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten ins Blickfeld rückte,
ist das Phänomen der Selbstmordanschläge. Einige Leute, die offenbar
falsch über den Islam unterrichtet sind, haben völlig unzutreffende
Erklärungen dahingehend abgegeben, dass diese Religion des Friedens
Selbstmordanschläge erlaubt, wohingegen im Islam beides absolut
verboten ist, sowohl sich selbst, als auch andere Menschen zu töten.
Mit den Worten '... und tötet euch nicht selbst...'
(Sure 4:29 - an-Nisa) hat Allah den Selbstmord zu einer Sünde
erklärt. Im Islam ist es - unberücksichtigt jeglicher Gründe - kategorisch
verboten, sich selbst zu töten.
Der Prophet erklärte den Selbstmord als eine Sünde.
Gemäß einer Überlieferung von Abu Huraira, erklärte er, dass jeder,
der sich selbst das Leben nimmt in die Hölle käme, wo er in aller
Ewigkeit lebt.5
Wie aus diesem klar hervorgeht, stellt Selbstmord, und folglich
auch Selbstmordanschläge, die den Tod von Tausenden unschuldiger
Menschen verursachen, eine krasse Verletzung der islamischen Moralität
dar. Allah erklärt im Quran, dass es eine Sünde ist, sein eigenes
Leben zu beenden, daher ist es ganz und gar unmöglich für jemanden,
der an Allah glaubt und behauptet, sich an den Quran zu halten,
so etwas zu tun. Nur Menschen, die eine sehr irrige Vorstellung
von der Religion haben, die keine Ahnung von der wahren Ethik des
Qurans haben, die ihren Verstand und ihr Gewissen vergewaltigen,
die von atheistischen Ideologien beeinflusst sind oder die durch
Gehirnwäsche mit der Leidenschaft des Hasses und der Rache angesteckt
wurden, können derartige Handlungen vollziehen. Jeder andere Mensch
muss solchen Taten verabscheuen.
Barmherzigkeit, Toleranz und Menschlichkeit in
der Geschichte des Islams
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die islamische politische
Doktrin, d.h. Verhaltensregeln und politische Führungsprinzipien
im Islam, äußerst gemäßigt und friedfertig ist. Diese Tatsache wird
von vielen nicht-muslimischen Historikern und Theologen bestätigt,
zu denen die britische Historikerin, Karen Armstrong zählt, die
eine ehemalige Nonne und Expertin auf dem Gebiet der Geschichte
des Mittleren Ostens ist. In ihrem Buch Holy War [Der heilige Krieg],
in dem sie die Geschichte der drei monotheistischen Religionen untersucht,
kommentiert sie folgendes:
... Das Wort 'Islam' leitet sich vom gleichen
arabischen Wortstamm ab, wie das Wort 'Frieden' und der Quran verurteilt
den Krieg als eine abnormale Situation, die nicht dem Willen Gottes
entspricht... der Islam rechtfertigt einen total aggressiven Krieg
mit dem Ziel der Vernichtung des Feinds nicht... der Islam erkennt
die Unvermeidbarkeit des Kriegs an, und akzeptiert ihn manchmal
als eine positive Pflicht um Unterdrückung und Leiden zu beseitigen.
Der Quran fordert, dass der Krieg begrenzt ist und so weit wie möglich
in einer humanitären Weise geführt wird. Muhammad musste nicht nur
gegen die Mekkaner kämpfen, sondern auch gegen die jüdischen Stämme
in der Gegend und gegen christliche Stämme in Syrien, die im Bündnis
mit den Juden eine Offensive gegen ihn planten. Dies jedoch veranlasste
Muhammad nicht 'Die Leute der Schrift' (Juden und Christen) zu verurteilen.
Seine Muslime waren gezwungen sich zu verteidigen, doch sie führten
nicht einen 'Heiligen Krieg' gegen die Religion ihrer Feinde. Als
Muhammad eine muslimische Armee unter der Führung seines freigesetzten
Sklaven Zaid gegen die Christen sandte, gebot er ihnen, für die
Sache Allahs tapfer, jedoch humanitär zu kämpfen. Sie durften weder
Geistliche, Mönche und Nonnen, noch schwache und hilflose Menschen
behelligen, die nicht imstande waren zu kämpfen. Es durfte kein
Massaker von Zivilisten stattfinden, noch sollten sie einen einzigen
Baum fällen oder irgendein Gebäude abreißen.6
Nach dem Tod des Propheten achteten auch die Kalifen, die nach
ihm regierten, äußerst sorgfältig darauf, dass der Gerechtigkeit
genüge getan wurde. In eroberten Ländern konnten die Einheimischen
sowie die Neuankömmlinge ihr Leben in Frieden und Sicherheit führen.
Abu Bakr, der erste Kalif, verlangte von seinen Leuten gerechtes
und tolerantes Verhalten in der Verwaltung dieser Länder, entsprechend
den Werten des Quran. Vor dem ersten syrischen Feldzug gab Abu Bakr
seiner Armee den folgenden Befehl:
Haltet ein, ihr Leute, ich gebe euch 10 Regeln,
die ihr euch zu Herzen nehmen müsst: Übt keinen Verrat aus und weicht
nicht vom rechten Weg ab. Verletzt und tötet keine Kinder, Greise
und Frauen. Zerstört und versengt keine Dattelpalmen, und fällt
keine anderen Obstbäume. Tötet kein Vieh oder Kamele, es sei denn
zu eurem Verzehr. Ihr werdet auf Menschen stoßen, die ihr Leben
dem klösterlichen Dienst gewidmet haben; belasst sie in dem, dem
sie sich gewidmet haben. Ihr werdet ebenfalls auf Menschen stoßen,
die euch allerlei Mahlzeiten anbieten werden. Ihr mögt davon essen,
doch vergesst nicht, den Namen Allahs darüber auszusprechen.7
Omar Ibn Al Chattab, der nach Abu Bakr folgte, ist berühmt für
seine Gerechtigkeit und die Verträge, die er mit den Einheimischen
der eroberten Gebiete schloss. Jeder dieser Verträge erwies sich
als ein exemplarisches Vorbild an Toleranz und Gerechtigkeit. In
seiner Schutzdeklaration, z.B., für die Christen in Jerusalem und
Lot, gewährleistete er, dass keine Kirchen zerstört würden, und
dass die Muslime in den Kirchen keine Gebetsversammlungen abhalten
würden. Den Christen in Bethlehem gewährte Omar die gleichen Bedingungen.
Während der Eroberung von Medain garantierte die Schutzdeklaration,
die dem nestorianischen Patriarchen Iso'jahb III. (647-658 n. Chr.)
gegeben wurde wiederum, dass die Kirchen nicht zerstört würden,
und dass keines seiner Gebäude in eine Behausung für Muslime oder
eine Moschee umgewandelt würde. Der Brief, den der Patriarch nach
der Eroberung an den Bischof von Fars (Persien) schrieb, ist äußerst
bedeutsam indem er in den Worten eines Christen die Toleranz und
Barmherzigkeit der muslimischen Eroberer gegenüber den Leuten der
Schrift bezeugt:
Die Araber, denen Gott in dieser Zeit die Regierung
der Welt übergeben hat..... verfolgen die christliche Religion nicht.
In der Tat, sie begünstigen sie, respektieren unsere Geistlichen
und die Heiligen Gottes und erweisen den Kirchen und Klöstern Begünstigungen.8
 
In Jerusalem und seiner Umgegend, das
lange Zeit unter der Herrschaft der Muslime war, werden Frieden
und Toleranz heutzutage von Unterdrückung und bewaffnetem Konflikt
verdrängt. |
Diese von Omar gewährten Konzessionen, enthüllen die Tiefe der
Toleranz, die Allah dem Menschen im Quran anbefohlen hat, in seinem
Charakter zu verinnerlichen. Die Schutzdeklaration lautete etwa
folgendermaßen:
Diese Schutzgarantie wird gewährt, um Leben, Besitz
und Religion, einschließlich Kirchen und Synagogen, aller Personen
der Gemeinschaften zu schützen, die innerhalb der verwalteten Gebiete
ansässig sind, ungeachtet ihrer Verhältnisse und Verdienste. Keine
Andachts- und Wohnstätten dürfen beschädigt, und nichts darf von
ihnen entwendet werden, und niemandem darf irgend ein Schaden zugefügt
werden. Die Ausführung der in diesem Dokument niedergelegten Bedingungen,
entsprechen den Geboten und Zusagen Allahs und Seiner Gesandten,
und werden von den Kalifen und Muslimen garantiert.
9
All dies sind bedeutende Beispiele dafür, wie die wahrhaft Gläubigen
ihr Verständnis der Gerechtigkeit und Toleranz realisieren. In einem
Vers befiehlt Allah:
Sicherlich gebietet euch Allah das, was euch in
Treuhand anvertraut wurde, an seine Besitzer zurückzugeben, und
wenn ihr zwischen den Menschen schiedssprecht, mit Gerechtigkeit
zu richten. Gewiss ist es eine Gunst Allahs, euch dazu zu ermahnen!
Zweifellos hört Allah alles und sieht alles. (Sure 4:58 - an-Nisa)
Canon Tyler, ein Missionsleiter der anglikanischen Kirche, erwähnt
die Schönheit der islamischen Ethik in einer seiner Reden in diesen
Worten:
Er (der Islam) brachte die grundlegenden Dogmen
der Religion - die Einheit und Größe Gottes, dass Er barmherzig
und gerecht ist, dass Er Gehorsam Seinem Willen gegenüber sowie
Ergebenheit und Glauben fordert. Er (der Islam) erklärte die Verantwortlichkeit
des Menschen, ein Leben nach dem Tod, einen Tag des Gerichts, und
strenge Vergeltung, der die Übeltäter anheimfallen werden; er verordnete
die Pflichten des Gebets, der Wohlfahrtsspende, des Fastens und
der Großmut. Es schaffte die künstlichen Tugenden, die religiösen
Betrüge und Torheiten, die pervertierten moralischen Gefühle und
die verbalen Spitzfindigkeiten der theologischen Debatte ab… er
gab dem Sklaven Hoffnung, der Menschheit Brüderlichkeit und den
grundlegenden Tatsachen der menschlichen Natur Anerkennung.10
Die falsche Behauptung, dass die Menschen in den eroberten Ländern
unter Drohung zum Islam übergetreten sind, wurde auch von westlichen
Forschern widerlegt und die gerechte und tolerante Einstellung der
Muslime bestätigt. L. Browne, ein westlicher Forscher, erläutert
diese Situation in den folgenden Worten:
Diese wohlbekannten Tatsachen berauben übrigens
die, im christlichen Schrifttum so weitverbreiteten Gerüchte, dass
die Muslime, wohin sie auch gelangten, die Menschen mit dem Schwert
an der Kehle zwangen, den Islam anzunehmen, jeglicher Substanz...11
In seinem Buch The Prospects of Islam [Aussichten des Islams] erklärt
Browne weiter, dass das wahre Motiv hinter den Eroberungen der Muslime
die Bruderschaft des Islams war. Die überwiegende Mehrheit der muslimischen
Herrscher, die die muslimischen Länder im Lauf der Geschichte verwalteten,
behandelten die Mitglieder anderer Religionen weiterhin mit äußerster
Toleranz und Respekt. Innerhalb der Grenzen aller islamischen Staaten
lebten Juden und Christen in Sicherheit und genossen volle Freiheit.
John L. Esposito, Professor für Religionswissenschaften und internationale
Beziehungen an der Georgetown Universität, schildert, welch ungeheure
Toleranz den Juden und Christen widerfuhr, die in Ländern lebten,
welche unter muslimische Verwaltung gerieten:
Die muslimischen Armeen erweisen sich als bemerkenswerte
Eroberer und erfolgreiche Herrscher; sie waren eher Erbauer als
Zerstörer. Sie ersetzten die einheimischen Herrscher und Armeen
der eroberten Länder, doch erhielten einen Großteil des Regierungs-
und Verwaltungapparats und der Kultur aufrecht. Für viele in den
eroberten Gebieten war es nichts weiter als eine Ablösung der Herren,
ein Wechsel, der der Bevölkerung Frieden brachte, die durch Verluste
an Leben und schwere Besteuerung aus den langen Jahren der byzantinisch-persischen
Kriege demoralisiert und unzufrieden geworden war. Örtliche Gemeinden
waren frei in internen und häuslichen Angelegenheiten in ihrer eigenen
Lebensweise fortzufahren. In vieler Hinsicht fanden die örtlichen
Bevölkerungen die muslimische Herrschaft flexibler und toleranter
als die von Byzanz und Persien. Religiöse Gemeinschaften waren frei,
ihren Glauben auszuüben - sie konnten ihren Riten und Gesetzen folgen
und ihre geistlichen Häupter konnten ihre Autorität in sozialen
Bereichen wie Heirat, Ehescheidung und Erbschaft beibehalten. Als
Gegenleistung wurde ihnen eine Anerkennungssteuer (dschizija) auferlegt,
die sie zu muslimischer Beschützung gegen äußere Angriffe berechtigte,
wobei sie vom Militärdienst befreit waren. Sie wurden daher 'die
Geschützten' (dhimmmi) benannt. In der Praxis bedeutete dies oftmals
niedrigere Steuern, größere örtliche Autonomie, Regierung durch
andere Semiten zu denen nähere linguistische und kulturelle Verbundenheit
bestand, als zu der hellenisierten gräko-romanischen Elite von Byzanz,
sowie größere Religionsfreiheit für Juden und einheimische Christen.
Die meisten christlichen Sekten, wie die Nestorianer, die Monophysiten,
Jakobiner und Kopten, waren als Heretiker und Schismatiker von der
orthodoxen Kirche verfolgt worden. Aus diesem Grund halfen einige
jüdische und christliche Gemeinden den einmarschierenden Armeen,
weil sie diese als weniger unterdrückerisch als ihre imperialen
Herrn betrachten. In vieler Hinsicht brachten die Eroberungen den
besetzten Gebieten einen 'Pax Islamica'.12
Viele
der Kreuzfahrer waren über die gerechte, tolerante und barmherzige
Haltung überrascht, welche die Muslimen selbst auf dem Schlachtfeld
an den Tag legten. Später brachten sie ihre Bewunderung in
ihren Memoiren öffentlich zum Ausdruck. In der obigen Abbildung
ist die Einleitung des zweiten Kreuzzugs durch Louis VII zu
sehen.
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Ein anderer 'Pax Islamica', den der Islam brachte, betraf die Frauen,
einen Teil der Gesellschaft, der in den vor-islamischen Zeiten ungeheuerlich
misshandelt worden war. Professor Bernard Lewis, der als einer der
größten westlichen Experten auf dem Gebiet des Mittleren Ostens
bekannt ist, gibt den folgenden Kommentar:
Im allgemeinen brachte der Anbruch des Islams
eine enorme Verbesserung der Stellung der Frauen in altem Arabien
mit sich, indem er ihnen Eigentum und einige andere Rechte zugestand,
und ihnen einen gewissen Schutz gegen schlechte Behandlung durch
ihre Gatten oder Herren gab. Das Töten weiblicher Neugeborener,
das als heidnisches Brauchtum in Arabien akzeptabel gewesen war,
wurde vom Islam verboten.13
Auch die Herrschaften der Seldschuken und des Osmanischen Reiches
waren von der gerechten und toleranten Einstellung des Islams geprägt.
In seinem Buch The Spread of Islam in the World [Die weltweite Ausbreitung
des Islam] erklärt der britische Forscher Sir Thomas Arnold, die
Bereitwilligkeit der Christen, sich aufgrund dieser Haltung unter
die seldschukische Herrschaft zu fügen:
Eben dieses Gefühl der Sicherheit des religiösen
Lebens unter muslimischer Herrschaft bewog viele der Christen in
Kleinasien (Anatolien) die seldschukischen Türken als Befreier willkommen
zu heißen... Während der Herrschaft von Michail VIII (1261-1282)
wurden die Türken oft von den Einwohnern der kleinen Städten im
Inneren Kleinasiens eingeladen, diese zu besetzen, indem sie sich
erhofften, dadurch der Tyrannei des byzantinischen Reiches entrinnen
zu können; sowohl Reiche wie Arme wanderten in die türkischen Herrschaftsgebiete
aus.14
Melikschah, der Herrscher des islamischen seldschukischen Reichs
während dieses im Zenith seiner Macht stand, behandelte die Menschen
in den eroberten Gebieten mit großer Toleranz und Barmherzigkeit
und verblieb somit mit Respekt und Liebe in ihrem Gedenken. Viele
objektive Historiker weisen in ihren Arbeiten auf Melikschahs Gerechtigkeit
und Toleranz hin. Seine Großmut gewann ihm die Liebe der Juden und
Christen. Aus diesem Grund unterwarfen sich viele Städte aus freiem
Willen Melikschahs Herrschaft, was beispiellos in der Geschichte
ist. Sir Thomas Arnold erwähnt auch Odo de Diogilo, einen Mönch
des St. Denis Ordens, der als der persönliche Seelsorger von Louis
VII am zweiten Kreuzzug teilnahm, und in seinen Memoiren auf die
Gerechtigkeit hinwies, die von den Muslimen geübt wurde, ohne Ansehen
der Religionszugehörigkeit der Untertanen. Auf der Grundlage der
sehr bildlichen Ausführungen von Odo de Diogilo, schrieb Sir Thomas
Arnold folgendes:
Die Situation der Überlebenden wäre völlig hoffnungslos
gewesen, hätte nicht der Anblick ihres Elendes die Herzen der Mohammedaner
zu Mitleid bewogen. Sie pflegten die Kranken und erleichterten das
Los der Armen und Hungernden mit großmütiger Freundlichkeit. Einige
kauften sogar das französische Geld, welches die Griechen den Pilgern
durch Zwang oder Tücke abgenommen hatten, und verteilten es großzügig
unter den Notdürftigen. Der Kontrast zwischen der freundlichen Behandlung,
welche die Pilger von den Ungläubigen empfingen und der Grausamkeit
ihrer Mitchristen, der Griechen, die ihnen Zwangsarbeit auferlegten,
sie schlugen und des Wenigen, das sie noch hatten, beraubten, war
so groß, dass viele von ihnen freiwillig den Glauben ihrer Befreier
annahmen. In den Worten des alten Chronikers (Odo de Diogilo): 'Indem
sie ihre Glaubensbrüder verließen, die so grausam zu ihnen gewesen
waren, fanden sie Sicherheit bei den Ungläubigen, die ihnen Barmherzigkeit
entgegenbrachten, und, wie wir hörten, schlossen sich mehr als dreitausend
den Türken an, als diese abzogen.' 15

Die letzte muslimische Herrschaft in Spanien
ging im Jahr 1492 zu Ende, als Granada von der Armee König Ferdinands
und der Königin Isabella erobert wurde. Die obige Abbildung
zeigt die Kapitulation der Stadt. |
Diese Erklärungen der Historiker bestätigen, dass die muslimischen
Herrscher, die die wahre Moralität des Islams verinnerlicht hatten,
immer mit Toleranz, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit regierten.
Ebenso ist die Geschichte des Osmanischen Reiches, dessen Herrschaft
sich jahrhundertelang über Länder in drei Erdteilen erstreckte,
reich an Beispielen der Toleranz.
Die Art und Weise, wie die Juden sich zur Zeit von Sultan Beyazid
II in den osmanischen Ländern niedergelassen haben, nachdem sie
Massakern und Verbannung in den katholischen Königreichen von Spanien
und Portugal ausgesetzt worden waren, ist ein treffliches Beispiel
der Toleranz, die die islamische Moralität mit sich bringt. Die
katholischen Monarchen, die zu jener Zeit über große Teile Spanien
herrschten, unterdrückten die Juden, die zuvor in Frieden unter
muslimischen Herrschaft in Andalusien gelebt hatten. Während die
Muslime, Christen und Juden in Andalusien in Frieden miteinander
leben konnten, versuchten die katholischen Monarchen, dem ganzen
Land den christlichen Glauben aufzuzwingen, wobei sie den Muslimen
den Krieg erklärten und die Juden unterdrückten. Als Folge wurde
1492 der letzte muslimische Herrscher in der südspanischen Provinz
von Granada beseitigt. Die Muslime fielen einem schrecklichen Gemetzel
zum Opfer, und Juden, die ablehnten, ihre Religion zu ändern, wurden
in die Verbannung geschickt.

Sultan Beyazid II war ein frommer Muslim.
Er nahm die Juden, die der spanischen Verfolgung entflohen
waren großmütig auf und gewährte ihnen absolute Religionsfreiheit.
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Ein Teil dieser heimatlosen Juden suchte Zuflucht im osmanischen
Reich, und der Staat gewährte ihnen diese. Die osmanische Flotte
unter dem Befehl von Kemal Reis brachte die verbannten Juden, und
die wenigen Muslime, die das Gemetzel überlebt hatten, ins Land
der Osmanen.
Sultan Beyazid II, der als ein gottesfürchtiger Herrscher in die
Geschichte eingegangen ist, siedelte diese, zu Unrecht aus Spanien
vertrieben Juden im Frühjahr 1492, in bestimmten Teilen seines Reiches,
um Edirne und das heute in Griechenland gelegene Thessaloniki herum
an. Die meisten der 25000 heute in der Türkei lebenden türkischen
Juden sind die Nachkommen jener spanischen Juden. Sie haben ihre
Religion und Bräuche, die sie vor 500 Jahren von Spanien mitgebracht
haben, den Lebensbedingungen in der Türkei angepasst, und leben
dort weiterhin in unbehelligtem Komfort, wobei sie ihre eigenen
Schulen, Krankenhäuser, Altersheime, kulturellen Vereinigungen und
Zeitungen unterhalten. In der gleichen Weise, wie sie als Händler
und Geschäftsleute tätig sind, sind sie auch in zahlreichen anderen
Berufen, von technischen Fachgebieten bis zur Werbung beschäftigt,
wobei sich in zunehmendem Maße intellektuelle Kreise herausbilden.
Während jüdische Gemeinschaften in vielen Ländern in Europa seit
Jahrhunderten in ständiger Furcht vor antisemitischen rassistischen
Ausschreitungen leben, haben sie in der Türkei in Frieden und Sicherheit
gelebt. Dieses Beispiel alleine genügt, die Toleranz und das Verständnis
der Gerechtigkeit zu demonstrieren, die der Islam mit sich bringt.
Die Barmherzigkeit und Toleranz, die von Sultan Beyazid II praktiziert
wurden, treffen auf alle osmanischen Sultane zu. Als Sultan Mehmet
der Eroberer Konstantinopel einnahm, erlaubte er den Christen und
Juden, dort in Freiheit zu leben. André Miquel, der für seine wertvollen
Beiträge bekannt ist, die er über die Welt des Islams geschrieben
hat und in denen er die gerechten und toleranten Praktiken der Muslime
hervorhebt, erklärte folgendes:
 
Die Eroberung von Istanbul durch Sultan
Mehmet, den Eroberer, bedeutete Freiheit für die Juden und heterodoxen
Christen, die jahrhundertelang der Unterdrückung der römischen
und byzantinischen Herrscher ausgesetzt gewesen waren. |
Die christlichen Gemeinden lebten unter einer
sehr gut verwalteten Regierung, wie sie sie während der byzantinischen
und lateinischen Epochen nicht vorfanden. Sie waren nie einer systematischen
Unterdrückung ausgesetzt. Im Gegenteil war das Reich und insbesonders
Istanbul ein Zufluchtsort für die spanischen Juden geworden, die
misshandelt worden waren. Niemals wurden die Menschen zur Annahme
des Islams gezwungen. Der Prozess der 'Islamisierung' fand statt
als Ergebnis des sozialen Vorgangs.16
Sultan Mehmet, der Eroberer bewilligte
dem Patriarchat weitgehende Konzessionen. Unter türkischer
Herrschaft genoss der Patriarch zum ersten Mal in der Geschichte
volle Autonomie. In der Abbildung ist Sultan Mehmet, der Eroberer
dargestellt, wie er den Patriarchen empfängt.
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Wie aus diesen Tatsachen ersichtlich ist, sind die Muslime zu keiner
Zeit in der Geschichte Unterdrücker gewesen. Im Gegenteil, sie haben
allen Nationen und Glaubensrichtungen, die sie erreichten, Frieden
und Sicherheit gebracht. Sie haben sich an Allahs Gebot gehalten,
wie folgender Vers besagt: 'Und dient ausschließlich
Allah und assoziiert nichts mit Ihm und erweist den Eltern Wohltätigkeit
und ebenso den Verwandten, den Waisen, den Bedürftigen, dem nahen
und dem fernen Nachbarn, dem Weggefährten, dem Reisenden und den
Leibeigenen. Gewiss liebt Allah nicht den, der arrogant und selbstherrlich
ist.' (Sure 4:36 - an-Nisa)
Kurz gesagt, Freundschaft, Brüderlichkeit, Frieden und Liebe sind
die Grundlagen der quranischen Ethik, und es ist das Bestreben der
Muslime diese erhabenen Tugenden zu realisieren und auf der Welt
zu verbreiten.
(Weitere Informationen bezüglich der Gebote des
Qurans und deren Befolgung durch Muslime im Lauf der Geschichte
sind in Harun Yahyas Buch Gerechtigkeit und Toleranz im Quran gegeben.)
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